Vorschläge an die Geschäftsführung

Wer schreibt, das bleibt

Was wäre ein Wissensarchitekt ohne Wissen? Nichts! Sie müssen dafür sorgen, dass die Subject Matter Experts ihr Wissen in Schriftform weitergeben. Achten Sie bei Neueinstellungen einfach mal auf die Schreibgeschwindigkeit an der Tastatur! Selbst wenn ein genialer Experte willens ist, sein Wissen zu dokumentieren: er kann es gar nicht effektiv und hat es auch nicht vor. Warum nicht mal Lohnerhöhungen nur noch an Mitarbeiter, die regelmäßig im Firmenwiki Ihr Wissen teilen?

Was passiert bei Fachleuten, die nicht schreiben? Sie geben neues Wissen in einer 1:1-Situation (Zeit und Raum = jetzt und hier) an die Kollegen weiter. Justament wird ein Kollege bei Erkenntnisgewinn aus seinem Arbeitsfluß gerissen und mündlich informiert. Der Kollege kann gerade damit nichts anfangen, notiert ein paar Stichpunkte und versucht, da anzuknüpfen, wo er gerade unterbrochen wurde. Es kommt der Tag, wo das Wissen des Fachmanns (1:1-Komunikators) akut wird und der Kollege fragt seinerseits den Fachmann und stört diesen im Arbeitsfluß. Das ist noch die harmlose Variante zum Vergleich der Abwesenheit des Fachmann wegen Krankheit etc. Das Wissen geht im Unternehmen als “Stille Post” reihum.

Soziale Software

Verwechseln Sie den Begriff Soziale Software nicht mit Facebook. Der Begriff bedeutet einfach nur, dass Software immer sozial ist! Es ist noch nie eine Software für einen einzigen Anwender programmiert worden. Nicht, wer die beste Software hat, wird den Markt aufrollen, sondern wer die größte und lebendigste Community hat. Die Community ist neben Ihren Mitarbeitern das wertvollste Kapital, denn sie wird in Zukunft Ihr Produkt weiterempfehlen, darüber schreiben und sich austauschen. Vergessen Sie nicht: die Community reiht sich nicht in eine Call-Center-Warteschleife ein, sie schreibt! Soziale Software ist Software, deren Anwender sich in schriftlicher Form verständigen und gegenseitig helfen - auch im Abraten von Softwareprodukten. Es wird in zehn Jahren nur noch Soziale Software geben, denn die Anwendergemeinde hat sich verjüngt. Hotlineanrufe wird es nur noch in seltenen Notfällen geben.

Technische Redakteure

Stellen Sie fähige Wissensarchitekten ein, denen die obigen Stichworte nicht fremd sind. Vielleicht ersparen Sie sich damit auch die Hilfe von Social-Media-Beratern. Eine Social-Media-Strategie auf langes Sicht umsetzten können sowieso nur Mitarbeiter, die dem Unternehmen durch eine Festanstellung wohlwollend verbunden sind. Sollten die Klagen der Redakteure über die Unterversorgung der Technischen Redaktion nicht abreißen, prüfen Sie genauer! Vielleicht ist ja was dran.

Innovationsfähigkeit

Warum so ein langer Artikel über Redakteure und das Soziale Schreiben? Ganz einfach: Fachleute, die es gewohnt sind zu schreiben, tauschen sich mit anderen über das Wie des Schreibens, welche Tools etc aus. Sie suchen im Netz und finden die Erfahrungen anderer! Sie schauen permanent über den Tellerrand - wie lösen andere Probleme?

Sie machen Ideen und fixieren diese schriftlich, für jeden aufrufbar. Ideen können so reifen. Sie können nicht immer sofort umgesetzt werden, sind aber, sobald neue Ideen gebraucht werden, für jeden abrufbar und an neue Herausforderungen anpaßbar. Was macht nun ein 1:1-Kommunikator? Er erzählt Ihnen von einer Idee, die Sie aus bestimmten Gründen zu Recht abweisen. Das galt aber nur in der 1:1-Situation. Die Dinge können sich nach ein paar Monaten wenden. Aber die Idee weg.

Vieles läßt sich nicht in Zahlen nachweisen. Wenn Sie es jedoch versäumen, gute “Selbstschreiber” als Fachleute und gute Wissensarchitekten als Technische Redakeure einzustellen, verliert Ihr Unternehmen an Innovationskraft.