Die Sprache der Macht

Jeder Mensch erfährt in seinem Alltag die Sprache der Macht. Entweder nutzt man sie selbst oder muss sie hören, wenn der Gegenüber seine Dominanz signalisiert. Letzterer nun bewußt oder unbewußt. Darüber schreibt Matthias Nölke in seinem Buch Die Sprache der Macht: Wie man sie durchschaut. Wie man sie nutzt. Der Leser erhält Beispiele und rhetorische Tipps zum Gebrauch der Machtsprache und zum Durchbrechen des Dominanzstrebens des Gegenübers. Auch er spricht aus, was wir alle schon ahnten:

Nach Macht in irgendeiner Form streben wir alle. Wer Macht hat, kann nach eigenen Vorstellungen gestalten und auf andere Menschen einwirken. Und das ist eine zutiefst beglückende Erfahrung - für jeden von uns. Ja, unsere seelische Gesundheit hängt unter anderem davon ab, dass wir unser Tun als wirksam empfinden, dass wir eben nicht ohnmächtig alles über uns ergehen lassen müssen. Hin und wieder verschaffen wir alle uns dieses Glück über ein “kleines Machterlebnis” - auch so charakterlich integre Menschen wie Sie und ich. [1]

Nicht immer wird die Sprache der Macht bewußt gesprochen. Ein sehr oft verbreiteter Satz, zufällig im Zusammenhang mit Gewerkschaften, ist der des Geschäftsführers einer Firma: “Meine Tür steht immer offen”.

In einem Interview mit der Berliner Zeitung wird Erich Sixt befragt:

Warum gibt es bei Sixt eingentlich keinen Betriebsrat?

… Unsere Mitarbeiter werden überdurchschnittlich gut bezahlt, sie sind am Erfolg beteiligt. Und wir haben bei Sixt flache Hierachien und das Prinzip der offenen Tür. [2]

Es geht nicht um eine moralische Bewertung des Fakts, dass es keinen Betriebsrat bei Sixt gibt. Meine Erfahrung ist sogar, dass je stärker eine Gewerkschaft in einer Firma vertreten ist, desto mehr Mitarbeiter mit Zeitarbeitsvertrag oder gar Werkvertrag gibt es.

Wenn der Arbeitnehmer seine Tür offen hält, kommt vielleicht frische Luft rein. Mehr nicht.

Quellen

  • [1] Matthias Nölke, Die Sprache der Macht: Wie man sie durchschaut. Wie man sie nutzt, Freiburg 2010, S. 9, zum Link
  • [2] Der Ehrbare Kaufmann stirbt aus. Interview mit Erich Sixt, Berliner Zeitung vom 4./5. Mai 2013, Seite 10, zum Link