Christoph Hein: Der fremde Freund

Kapitel 6 - Abschnitt 01 Christoph Heins Novelle Der fremde Freund veranlaßte unvergleichlich viel Literaturwissenschaftler zu einer Meinungsäußerung. Dieses hohe Interesse am schmalen Bändchen ließe sich vielleicht damit erklären, daß es gleichermaßen in Ost und West erschien und somit auch entsprechend mehr Rezensenten finden konnte als z. B. Maron oder Becker. Doch kann diese Erklärung nicht befriedigen. Ein anderer Ich-Erzähler, Erich Loests Wülff, konnte, wenn in der DDR auch limitiert, ebenfalls in realistischer Erzählweise in ganz Deutschland die Zufriedenheit mit seiner Biographie äußern, ohne ein solches Maß an Interesse auf sich zu konzentrieren.

Ein Blick auf das Geschehen des Buches ist ebenfalls wenig angetan, eine Erklärung dafür zu bieten. Die vierzigjährige Ärztin Claudia nimmt den Tod ihres Freundes und Liebhabers zum Anlaß, das letzte, mit ihm von Zeit zu Zeit verbrachte Jahr Revue passieren zu lassen. Ihr mangelt es zumindestens äußerlich an nichts, sie ist zufrieden. Ihr Leben “verläuft mit der Stupidität eines Perpendikelschlages” (197) 1 und erfährt nur durch die Umstellung auf die Sommerzeit ein wenig Abwechslung. Die Tatsache der Sprachäußerung durch die Ich-Erzählerin allein signalisieren schon die Bewältigung der Geschehnisse. Die schwierige Wahl des richtigen Kleidungsstückes zur Beerdigung des Freundes tun ihr übriges. Sie hat inzwischen auch einen neuen Freund und ihr geht es gut.

6-02 Da das Erzählte nur bedingt Aufschluß über die große Diskussionsbereitschaft unter den Rezensenten gibt, gerät die Art und Weise des Erzählten immer mehr in den Vordergrund. Sollte das große Interesse in der Struktur der Novelle liegen, ist selbige auch der Schlüssel zur Erörterung der Frage nach einer Identität der Protagonistin. Eine ‘Umkehrprobe’ ist fast unmöglich, doch wird hier zur Verdeutlichung versucht. Dem Leser wird die unerhörte Begebenheit vom Ich-Erzähler zu Beginn der Novelle als bewältigt präsentiert, gefolgt vom Korpus: der leitmotivischen Langeweile. Diese kann gar nicht anders als humor- und spannungslos vermittelt werden. Übrig für eine Beschäftigung des Lesers bleibt nur die Protagonistin selbst, ihre geistige und seelische Verfassung. Zustandsbeschreibungen der Gesellschaft kann der Leser in anderen Werken leichter haben. Würde der Leser Claudias Worten am Ende der Novelle folgen, stellte dies jede Überlegung, warum Texte entstehen, in Frage.

6-03 DDR-Literaturwissenschaftler Frank Hörnigk schrieb 1987 zu Heins Novelle:

… in dem konsequent durchgehaltenen poetischen Bild eines in seinen Alltagsbeziehungen scheinbar perfekt funktionierenden Lebenskonzepts ist - gleichsam als Untertext - eine Dimension sozialer Erfahrungen und Widersprüche mit eingeschrieben, die die Provokation des besonderen Falles, sein kritische Beurteilbarkeit, möglicherweise seine moralische Ablehnung weit überschreitet. Heins Prosa … läßt sich nicht lediglich auf eine Verständigung über das persönliche Betroffensein und Versagen einer Figur in den sie umgebenden Verhältnissen reduzieren, sondern hinterfragt durch sie diese Verhältnisse selbst. 2

In diesem umfassenden Einleitungsabsatz zur Novellenrezension ist anstelle einer Protagonistin und ihrer Identität zu Recht vom Bild eines Lebenskonzepts die Rede. Das legt nah, daß es bei der Frage nach Identität weniger um die eines authentischen, lebendigen und vom Autor emanzipierten Protagonisten gehen kann als vielmehr um das Funktionieren oder Versagen eines “Konzepts” mit der Ärztin als Protagonistin. Es wird verstärkt die Vorgeschichte des “Konzepts”, sprich die Erfahrungen der Protagonistin vor der Formulierung eines solchen zu beachten sein, ohne jedoch ihre Versuche der Rechtfertigung und Bestätigung in der Gegenwart zu vernachlässigen.

6-04 Die “sozialen Erfahrungen und Widersprüche” (Hörnigk) verweisen auf Heins Bestreben, im Beschreiben des Gegenwärtigen Kritik an der DDR-Gesellschaft im besonderen und Zivilisationskritik im allgemeinen zu evozieren. Die “Provokation des besonderen Falles, der seine moralische Ablehnung weit überschreitet”, verdeutlicht die Art der möglichen Rezeption und somit ein sich von anderer Literatur unterscheidbares Funktionsprinzip. Antonia Grunenberg nähert sich dem Distinktionsmerkmal über den “Anti-Helden” Hein´scher Prägung:

… (es) wird deutlich, daß hier das absolute Gegenbild zum ‘positiven Helden’ dargestellt wird. Dagegen könnte eingewandt werden, das freilich sei nichts Neues in der Literatur der DDR. Seit fast zwei Jahrzehnten tummeln sich dort auch die ‘Anti-Helden’. Aber man wird nirgendwo auf diese eigenartige Verbindung zwischen dem ausgeprägten Anti-Typ und der (fast) hermetischen Art seiner Darstellung treffen. Bei Hein gibt es keinen individuellen Ausweg, nur das individuelle Leiden an der Entfremdung. Wenn wir dagegen einen kurzen Blick auf andere ‘Anti-Helden’ der Literatur der DDR werfen, ob es sich nun um Bücher von Gerti Tetzner, Erich Loest oder Jurek Becker handelt, werden wir einen solchen Typus nicht finden. Alle hier genannten Autoren präsentieren Helden, die aus der Ehe aussteigen, aus der verlogenen Moral, von der Karriereleiter abstürzen, aber sie überwinden die ihnen angetanenen Verletzungen oder Zumutungen.3

Auch Marons Josefa ließe sich neben Becker und Loest stellen, denn ob Marons Hauptfigur die Zumutungen überwindet oder nicht, ist in diesem Zusammenhang unwichtig. Grunenbergs Beobachtung illustriert Hörnigks oben zitierten letzten Satz. Zugleich verweist sie auf eine Aporie, die sich allen Rezensenten der Prosa Christoph Heins stellt, ganz gleich, ob sie das zivilisationskritische Moment, die Betrachtung der Protagonistin Claudia oder das Funktionsprinzip bei der Rezeption in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen stellen: das eine ist vom anderen nicht genau zu trennen, denn es sind Komponenten, die sich gegenseitig bedingen. Würde auch nur eine fehlen, gäbe es nicht die Novelle mit diesem hohen Maß an Interesse. Neben den drei Komponenten werden weitere Stichworte zu befragen sein, die mit den erstgenannten eng verknüpft sind.

6-05 Bei der Frage nach einer Identität Claudias müssen Berücksichtigung finden:

  1. die Bedeutung der Vergangenheit für die Gegenwart,
  2. das Leitmotiv der Langeweile und Gleichgültigkeit,
  3. die vom männlichen Autor geschaffene Weiblichkeit mit psychologischen Elementen und
  4. die Funktion des Ich-Erzählers.

Das Funktionsprinzip erfährt nähere Erläuterung u. a. mit Stichworten wie:

  1. der Rezipient als Kommunikationspartner,
  2. der Text als Warnbild,
  3. das Leitmotiv der Langeweile,
  4. der vorangestellte Traum und
  5. die Funktion des Ich-Erzählers und dessen Widersprüchlichkeit.

Die Zivilisationskritik basiert:

  1. auf der Dialektik der Aufklärung,
  2. der Aufklärung des Gegenwärtigen,
  3. dem Text als Warnbild und
  4. der Bedeutung der Vergangenheit für die Gegenwart.

Es zeigt sich durch die Mehrfachnennung, daß auch hier keine genaue Trennung möglich ist. Diese Arbeit soll die Identität der Protagonstin zum Mittelpunkt haben, wird aber um eine kurze Betrachtung der anderen beiden Komponenten nicht umhin kommen.

6-06 Der Autor hat sich vielerorts zum Buch geäußert, was zur Klärung beitrug, aber auch neue Fragen aufwarf. Über die breite Aufnahme der Novelle auch außerhalb der DDR äußerte er sich:

Beim Überlegen, warum dieses Buch einen solchen Erfolg hatte, kam ich zu dem Schluß, daß es wohl daran gelegen haben muß, daß ich etwas über die Kosten der Zivilisation geschrieben habe. Und die Zivilisation ist ja zumindest in den europäischen Staaten annähernd gleich entwickelt. Vielleicht liegt darin der Grund, warum das Buch über die DDR hinaus wirken konnte. Das ist aber ein nachträglich angestellte Vermutung und war kein Anlaß zum Schreiben. Aus Theorie entsteht keine Literatur.4

Die “Kosten der Zivilisation” sind inzwischen bei der Betrachtung des fremden Freundes zu einem unverzichtbaren Schlüsselwort geworden. Daß diese Kosten kein Schreibanlaß darstellten, kann man sofort glauben. Dem entgegen stehen Sätze von Figuren im Buch, die sich wie Spruchbänder des Autors ausnehmen müssen:

… die gesamte Zivilisation ist eine Verdrängung. Das Zusammenleben von Menschen war nur zu erreichen, indem bestimmte Gefühle und Triebe unterdrückt wurden. Erst eine Menschheit, die in ihrer Gesamtheit den Psychiater benötigt oder vielmehr: benötigen würde, war fähig, in der Gemeinschaft zu leben. Diese Unterdrückung brachte das, was wir den zivilisierten Menschen nennen. (116)

Heins Buch zeigt, wie stark Theorie einen Text zumindestens beeinflussen kann. Hörnigks Beschreibung vom “konsequent durchgehaltenen poetischen Bild” (S. 57) deutet dies für die Form des Textes an.

6-07 Claudia ist der Überzeugung, dass sich wirkliche Probleme nicht lösen lassen.

Man schleppt sie ein Leben mit sich herum, … und irgendwie stirbt man auch an ihnen. Die Generation meiner Großeltern hatte dafür Sprüche parat: Wenn man einem Übel ins Gesicht sieht, hört es auf, ein Übel zu sein. Ich habe andere Erfahrungen. Was man fürchtet, bringt einen um, wozu sich also damit beschäftigen. (115)

Entgegen ihren Erfahrungen nutzt sie einen Kurzurlaub, um in die Stadt ihrer Kindheit, nach G. 5 zu fahren. Im Mittelpunkt ihrer Reise in die Vergangenheit steht die Erinnerung an den Verlust von zwei geliebten Menschen. Der schmerzlichste Verlust vielleicht ihres ganzen Lebens ist der der Freundschaft zu Katharina.

Und jetzt saß ich in einem Zimmer des einzigen Hotels in G. und trank Bier. … Eine Libation für ein Mädchen, daß ich rückhaltlos geliebt hatte, wie ich nie wieder einen Menschen sollte lieben können. (153)

Katharina war für sie die einzige Person ihres Vertrauens, mit der sich über alles reden ließ. Mit den Erwachsenen konnte sie nicht über den russischen Panzer in G. sprechen. Der Vater zu Hause schrie herum. “Vater sagte, ich solle in der Schule keine Fragen stellen und nicht darüber diskutieren. … Im Unterricht wurde aber ohnehin nicht darüber gesprochen.” (145) Nur mit Katharina konnte sie sich über dieses Ereignis austauschen. Die Eltern vertrauten ihr nicht; es war ein ‘Tabu’ der Erwachsenen, Eltern inklusive. Dieses Tabu den Erwachsenen zu entreißen bedeutete die Heraufbeschwörung von “siechen, geschlechtskranken Leuten” (146). Denn ihre Mutter hatte ihr “die schönste Hoffnung, den Wunsch, schnell erwachsen zu werden”, gründlich verdorben. Als sich ein Lehrer an einer Schülerin “vergriffen” haben soll, ist dies der Anlaß für Claudias Mutter, ihre Tochter “rabiat” aufzuklären. Ihre Neugier über den Panzer glaubte sie mit dem Preis erneuter Alpträume von geschlechtskranken Leuten bezahlen zu müssen. Claudia zog es vor, die Neugier zu unterdrücken und das Ereignis zu verdrängen. Ein erster, direkter Zusammenhang von Sexualität und Politik wird hergestellt. Im Falle des Panzers ist das Schweigen Symptom einer totalitären Gesellschaft.

… elders would rather keep quiet than endanger themselves or their children by talking about events such as the 1953 in the GDR which, officially, should never have happened and therefore never did. The result is again fatal: Claudia loses all interest in a spirit of inquiry. 6

6-08 Katharina ist gläubig und in der Jungen Gemeinde aktiv. Die beiden Mädchen wollen die Entscheidung, welche die wahre Weltanschauung ist, bis zum 14. Lebensjahr verschieben, “um dann, an Gott glaubend oder ihn leugnend, durch eine weitere Gemeinsamkeit verbunden zu sein.” (147) Doch schon vorher schafft der Bezug zum Glauben eine Identität schaffende Gleichheit. Äußerlich sind sich die beiden durch die gleiche Frisur verbunden. Doch Claudias Vater bedrängt sie unter dem Eindruck der “atheisti-schen Kampagne im ganzen Landkreis” (148), “alles zu unterlassen, was mit Kirche und Religion zu tun habe.” Doch Katharina ist ihr lieber als alles andere auf der Welt und sie weigert sich, sie “zu verraten”. Erst als sich Katharina immer mehr einem Kantorssohn zuwendet, hält Claudia, nun eifersüchtig und tief gekränkt, den Erwartungsdruck von Familie und Schule nicht mehr aus. Im Gegenteil, sie wendet sich öffentlich gegen Katharina mit der Ideologie der Mehrheit, um sie in privater Angelegenheit zu kränken. Wieder vermischen sich Privates und Öffentliches in ihrem Handeln. Wenn sie zu Hause “fast mit Stolz erzählt, daß Katharina die Republik verraten habe”, kann sie verdrängen und zugleich den Liebesentzug der Familie wettmachen. Antonia Grunenberg meint zum Verlust der Freundschaft zu Katharina, daß deutlich wird, “daß die politisierte Form des Konflikts nur die Oberfläche beschreibt. Anlaß der Verletzung war der Streit mit der Schulfreundin, ein Streit aus verletzter Liebe, der - in den Schulen der fünfziger Jahren durchaus üblich - die Form einer pseudopolitischen Auseinandersetzung zwischen Kindern annahm.”7 Peter Peters beschreibt die identitätsstiftende Wirkung Katharinas für Claudia als die eines Spiegels, “in dem ihr Ich sein gewünschte Entsprechung fand. Claudias Objektliebe fand in Katharina die narzißtische Rückkopplung, die ausblieb, als ein Dritter dazwischen trat.”8

6-09 Claudia verliert noch ein weiteres Idol: ihren “Vaterersatz”9 Onkel Gerhard. “Er war für mich wie ein Großvater, und ich glaube, auch er betrachtete mich als sein Ziehkind…” (154). Der Onkel hatte in der NS-Zeit als Sozialdemokrat die Mitglieder der SPD und KPD aus G. an die Nazis verraten. Er wird als zweiundsiebzigjähriger zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Zum zweiten Mal muß sie erfahren, daß die Identifikation (Vaterersatz) mit einem geliebten Menschen sich im Gegensatz zur “öffentlichen Meinung”10 befindet.

6-10 Claudia hat nach der Verurteilung des Onkels das Bedürfnis, sich “zu säubern” (155). Auch nach dem ersten Kuß von einem Jungen eilt sie nach Hause, “um sich von Kopf bis Fuß gründlich zu säubern” (141). Erneut erfährt Sexualität und Politik durch diese Geste einen engen Zusammenhang. Für Julia Hell greifen diese Szenen, neben anderen von Sexualität in Claudias Gegenwart, auf historisch konstruierte Konnotationen oder Mythen zurück: “the myth of sexuality as both the core of identity and as extra-discursive ‘nature’… (Claudia beschreibt ihren Freund Henry als Stadtmensch und vermittelt somit von sich den Eindruck eines ‘Naturmenschen’)”11

On the other hand, Claudia´s story also mobilizes the myth of ‘woman as the reprensentation of sexuality’… Hein´s text works with and relies upon the reader´s culturally and historically fixed associations of woman, nature, and sexuality. 12

In der Tat mag dem Leser die Assoziation von Sexualität und Identität bei einem weiblichen Helden leichter fallen als bei einem 16jährigen jungen Mann. Die Frage, ob diese “Mythen” vom Autor bewußter Teil seines Kommunikationsmodells zum Knüpfen von Zusammenhängen sind, muß unbeantwortet bleiben.

6-11 Neben der Säuberung des Körpers verspürt sie das Bedürfnis, “sich öffentlich schuldig zu sprechen”. Auf dem ersten Blick möchte man meinen, daß dies das ist, wozu die DDR-Nachkriegsgesellschaft nicht willens ist: für die Vergangenheit Verantwortung zu übernehmen. Doch der Leser hat noch in Erinnerung, daß sie sich stellvertretend für “ihr atheistisches Elternhaus” (148) gegenüber Katharinas, durch den Staat drangsalierter Familie schuldig fühlt. Zum einen glaubt sie sich für eine Politik anderer verantwortlich, zum anderen glaubt sie durch die Tat eines - wenn auch geliebten - anderen, “das Recht verloren zu haben, sich über die Greuel (in der NS-Zeit, d.A.) zu empören oder mitleidig zu sein.” (155). Beide Reaktionen Claudias zeigen - neben dem übergroßen Stellenwert öffentlicher Angelegenheiten in ihrem Gefühlsleben - die junge Protagonistin als einen Menschen, der von sich nicht vollständig als Individuum ausgeht und authentisch Gefühle zeigt. Sicherlich entspringen die Selbstvorwürfe, “die Nichte eines Naziverbrechers” (155) zu sein, einer Anpassungsstrategie. Doch kann ihr das in diesem Fall nur mißlingen: alle wollen die Vergangenheit verdrängen. Claudias Vater verdrängt sie bei einem Umzug in eine andere Stadt.

6-12 Auffällig ist, daß Claudia ihre Erinnerungen relativierend kommentiert. Mit einer Ausnahme: politische Ereignisse erfahren keine Benennung und Einordnung in die Geschichte. Der Autor verläßt sich auf das Wissen des Lesers. Wenn dieser es nicht weiß, kann er sicher sein, daß anderenorts nachgefragt wird. So läßt Hein unkommentiert, daß der Onkel Sozialdemokrat war und so möglicherweise zur nachträglichen Diffamierung der SPD herhalten mußte. Parallelen zum Nationalsozialismus müssen entstehen, wenn aktive Christen auch im Sozialismus Ausgrenzung erfahren müssen. Der Panzer bleibt genauso unkommentiert wie das Herumbrüllen des Vaters zu Hause. Es kann sowohl für oder gegen den Aufstand von 1953 gewertet werden. Der von Peters oben erwähnte Begriff der “öffentlichen Meinung” bleibt ungenau. In erster Linie ist es Staatsdoktrin und Ideologie einer Partei, zu der Claudia sich bei ihren gescheiterten Identifikationsversuchen im Widerspruch befand. Dieses Definitionsproblem ist ähnlich der Annahme, Loests Anti-Held Wülff ist einem gesellschaftlichen Druck zu Weiterbildung ausgesetzt. Doch erwartet es explizit nur seine Frau Jutta von ihm.

6-13 Obwohl der Vater alles Politische der Tochter in der Kindheit fernhielt (auch seine Vergangenheit wird nicht erwähnt), beschwert er sich später über Claudias Desinteresse an der “Weltpolitik” (43). Für Claudia wäre dies eine Gelegenheit, ihm zu sagen, daß genau er im wesentlichen die Ursache dafür ist. Sie unterläßt es, schweigt und lobt “Besserung”. Dieses Schweigen ist auch dem Kommunikationsprinzip des Textes geschuldet: Claudia würde einen Schuldigen benennen. Dem Leser bliebe nur noch das Betroffensein über ihr individuelles Schicksal; übrig bliebe nur die “Provokation des besonderen Falles” (Hörnigk).

6-14 Tatsächlich enden fast alle Kindheitserinnerungen Claudias mit der resignativen Einsicht “Ich lern-te zu schweigen” (146). “… ich begann zu schweigen, um nicht andere zu belästigen” (156) Die Schweigeerziehung in Elternhaus und Schule lassen in Claudia jede Neugier, erst recht an Politik, erlöschen. “Verquaste Bilder von Sexualität” begleiten sie für lange Zeit. Weder Eltern noch Lehrern kann sie ihre Nöte anvertrauen. “Ihre gewiß gravierenden, vom Autor kritisch ausgestellten Erfahrungen mit Eltern, Lehrern und Instanzen weisen wohl in Richtung auf eine Lebenshaltung, in der die Not des Liebesentzugs in die “Tugend” des Verzichts auf innige menschliche Bindungen umgeschlagen ist.”13

6-15 Was sie unter dem Eindruck ihrer Kindheit nachfolgend zu etablieren versucht, ist ein Lebenskonzept bar jeder Emotion. Nie will sie sich wieder einer Sache oder einer Person emotional verpflichten. Beide Verluste, der von Katharina und der des Onkels, lassen Claudia sich von der Umwelt abschotten.

Ich war überzeugt, daß ich niemals meine Distanz zu Menschen aufgeben durfte, um nicht hintergangen zu werden, um mich nicht selbst zu hintergehen. Im Hintergrund das Wissen um meine stete Bereitschaft, mich aufzugeben, Sehnsucht nach der Infantilität. (68)

Hans Kaufmann betonte 1986, daß mehr ein “Programm” als die Findung oder Wahrung der Identität der vierzigjährigen Protagonistin zur Disposition steht.

Im Buch wird gezeigt, wie nach dem Programm und der Praxis Claudias die Zielstellung funktioniert, das Miteinander der Menschen auf strenger Umzäunung der Privatsphäre des einzelnen zu begründen.14

Der Versuch Claudias, über ihre Vergangenheit ein anderes Verständnis zu ihrer Gegenwart zu erhalten, scheitert.

Die Vergangenheit ist nicht mehr auffindbar. … Meine Erinnerungen sind unwiderleglich geworden. Es war, wie ich es bewahrt habe, wie ich es bewahre. Meine Träume können nicht mehr beschädigt werden, meine Ängste nicht mehr gelöscht. (139)

Und ich bin der festen Überzeugung, es ist der sicherste Weg, verrückt zu werden, wenn man erst einmal anfängt zu ergründen, wer man eigentlich ist. (179)

“Gerade die Umkehrung der psychologischen Therapieausrichtung postuliert sie als adäquates Prinzip im Umgang mit sich selbst und ihrer Umwelt…”

6-16 William Niven, für den die Novelle als Beispiel dafür steht, daß in der DDR ein Buch auch die Funktion der Psychoanalyse übernehmen konnte, bestätigt den Programmcharakter von Claudias Existenz in der Gegenwart. Er erwähnt dabei eine weitere Komponente der Novelle:

… she sees her lack of emotion as pragmatism, her detachment as self-protection. By constantly condemning the impersonality of modern civilization and its dehumanizing effects - everything from postcards and newspaper advertisements to funerals, marriages and divorces - she can convince herself that her caution is both common sense and a symptom of a general malaise beyond her control. Her philosophy, whatever truth it might contain, is a psychological stratagem. 15

Es ist von “Zivilisation” die Rede, die Claudias Lebenskonzept der Abschottung wesentlich mit hervorgebracht hat. Es entsteht der Eindruck der Zwangsläufigkeit einer Biographie, wenn Claudia ihr emotionsloses Handeln mit dem Hinweis auf die Zivilisation rechtfertigen will. Doch der Autor gibt genügend Hinweise, daß es ihm nicht um die Beschreibung von determinierten Lebensumständen ähnlich des Naturalismus geht. Die hergestellten Zusammenhänge zwischen Historie, Psychologie und Sozialisation müssen in Wahrheit nicht so sein, in der Novelle aber schon: das Kommunikationsmodell des Autors erfordert es.

6-17 Die vielleicht überzeugendste Darstellung, wie die zu Beginn erwähnten Komponenten Identität der Protagonistin, Zivilisationskritik und Funktionsweise der Novelle in einem “Lesemodell” vereint werden können, gibt David Roberts. Er geht davon aus, daß der Text auf zweierlei Art gelesen werden muß. “Erstens muß der Leser zwischen der Erzählerin und dem Autor unterscheiden, indem er den psychologischen Subtext mitliest. Zweitens muß der Leser zwischen der Erzählerin und ihrer Wahrnehmung der Umwelt unterscheiden, indem er den sozialen Kontext mitliest.”16 Die erste Leseperspektive nennt er das “hermeneutische Lesemodell”:

Es operiert mit der Unterscheidung zwischen Oberfläche und Tiefe, zwischen dem was gesagt und dem, was nicht gesagt wird. … Offenbar übertreibt Claudia ihre Beteuerungen - Selbstrechtfertigung schlägt in Selbstanklage um. Es wird zunehmend klar, daß ihre ganze Lebensstrategie nicht die Antwort auf die Probleme sondern selber ihr Problem ist. […] Im Blickpunkt dieses Modells stehen Subjektivität und Identität - die Frage nach Claudia als Autorin ihrer selbst. Es geht um die klassische moderne Erzählung des Subjekts, auch wenn sie in der entfremdeten Form des abwesenden Subjekts präsentiert wird, da diese Abwesenheit den Leser an dessen Stelle setzt, ihn zum Mitautor bzw. zum Psychoanalytiker macht.17

Letzteres erklärt, warum alle Rezensenten von einer Protagonistin ausgehen, “dessen Modellierung schon längst hinter ihm liegt, wenn es zu sprechen beginnt. Dieses Subjekt ist ‘fertig’, im Zustand seiner (beinahe) perfekten Panzerung.”18 Der Entschluß zur Etablierung dieser “Lebensstrategie” liegt in Claudias Jugend. Ein Kommilitone wirft ihr vor, “bewußtlos wie ein Tier zu leben.” (103) Auch hier kommt Franz Stanzels Hinweis auf die Erzähldistanz zum Tragen: diesmal in Form einer völligen Entfremdung zwischen erzählendem und erlebendem Ich. Übrig bleibt, Claudias “Lebensstrategie” auf den Prüfstand zu stellen, was jedoch den Rezipienten “als Mitautor und Psychoanalytiker” mit einschließt.

6-18 Die zweite bereits erwähnte Leseperspektive nennt Roberts das “funktionale Modell”. Es “überlagert die blockierte Erzählung des Subjekts mit der Perspektive des Beobachters. Beobachter, Verfremdung und modellhafte Konstruktion gehören zusammen: statt Selbstdeutung haben wir die kalte, distanzierte Registrierung des Alltagslebens.”19 Hermeneutisches und funktionales Modell (Vergangenheit und Gegenwart) führt Roberts in einem “symptomatischen Modell” wieder zusammen: Claudias Verlust der Vergangenheit und ihre Selbstentfremdung als Symptome münden in eine politische Kritik der existierenden DDR-Gesellschaft und in eine soziale Kritik der “Kosten der Zivilisation”.

6-19 Diese Trennung der “Leseperspektiven” mag Aufschluß über das Unbehagen einiger DDR-Rezensenten mit dem Hein´schen Text geben. So zweifelt Rüdiger Bernhardt an der Kompetenz des Lesers mit dessen “vorhandener Erfahrung”20. Dieser Zweifel konzentriert sich aber weniger auf das “hermeneutische Lesemodell”, sondern stößt sich an Claudia als Beobachterin. Er rekapituliert die anderen Figuren, um festzustellen, daß “alle von ähnlichen Eigenschaften gekennzeichnet sind wie die Ich-Erzählerin.” Das ausnahmslos düstere Bild der Gesellschaft macht Bernhardt Sorge.

Dadurch entsteht der Eindruck, daß die Fremdheit und Isolation der Ich-Erzählerin weniger aus ihrer Veranlagung entsteht, sondern Folge ihrer Erfahrungen und Erlebnisse ist.

Nun wäre solchen Erlebnissen, Eindrücken und Erfahrungen, die sicher im einzelnen vorhanden sind, aber in der Ballung sich fremd ausnehmen, dadurch zu begegnen, daß man der kritischen Distanz des Lesers vertraut. Es bleibt dahingestellt, ob diese kritische Distanz mit der vorhandenen Erfahrung des Publikums im Umgang mit Literatur möglich ist.21

Die “kritische Distanz” will Bernhardt auch auf die Claudia als Beobachterin erweitert wissen. Doch hier kann der Leser zu Recht annehmen, daß das Geschilderte so existieren könnte. Christoph Hein ist hier ganz der Chronist. Distanz ist bei der Reflektorfigur Claudia von Nutzen, wenn nicht sogar unbedingt erforderlich, bei der Erzählerin als Beobachter nicht. Natürlich nehmen sich Claudias “Eindrücke in der Ballung fremd aus”, doch ist das allein dem Kommunikationsmodell Heins geschuldet. Genauso wie Claudia keinen Schuldigen benennt, kann sie auch nicht warmherzige, optimistische Menschen als gutes Beispiel herausstellen. Das würde erstens ihrem Lebenskonzept zu wider laufen, denn sie sucht in den deformierten Beziehungen ihrer Mitmenschen die Bestätigung dafür, selektiert folglich als Ich-Erzähler nur diese. Zweitens bekäme die Novelle den Charakter einer Episode. Der Leser könnte sich mit dem Hinweis auf diese ‘guten Figuren’ zurücklehnen und wäre aus der “grundsätzlichen Aufforderung zur Auseinandersetzung, zur Kritik und Selbstkritik an sozialen Verhaltensmustern”22 entlassen. So sieht denn Hörnigk gerade den Verweis auf “Korrekturbedürftigkeit” auch seitens des Lesers darin, daß Claudias Umgebung ihre Haltung nicht in Frage stellt 23. Doch Bernhardt hoffte ebenso wie bei Loest fünf Jahre zuvor, daß die düsteren Erfahrungen Claudias “im Verhältnis zwischen point of view und Erzählerstandpunkt relativiert werden”24.

6-20 Antonia Grunenberg hebt wie das Gros der Rezensenten die kritische Auseinandersetzung mit der Person Claudias, der “modellhaften Konstruktion” der Novelle hervor. Doch ging sie von einer homogenen DDR-Rezeption aus, wenn sie schreibt:

Daß das in der DDR, deren Leserschaft trotz Generationswechsel und literarischen Neuerungen noch immer auf das Niveau der Lebenshilfeliteratur und der positiven Helden eingeschworen ist, als Provokation aufgegriffen wird, versteht sich von selbst.25

Wieder wird Rüdiger Bernhardt und Genossen mit der gesamten DDR-Leserschaft gleichgesetzt. Man könnte genauso gut behaupten, eine ganze Leserschaft ist nicht zur angemessenen Rezeption des Struwwelpeters in der Lage. So abwegig ist dieser Vergleich nicht, wenn Kaufmann, Hörnigk u.a. vom “Warnbild” sprechen und Niven von der Novelle als “piece of psychotherapy by example: moral shock as corrective.”26 Es ist ein sinnloses Unterfangen, Christoph Hein pädagogische Ambitionen eines Bertolt Brecht unterstellen zu wollen, aber jeder DDR-Rezipient konnte zumindest dessen Schema des Epischen Theaters abrufen, um sich so rechtzeitig der “Mitautorenschaft” zu gegenwärtigen: “Die epische Form macht den Zuschauer zum Betrachter, aber weckt seine Aktivität, erzwingt von ihm Entscheidungen…”27

6-21 Rüdiger Bernhardt war 1983 nur einer von mehreren Rezensenten der Novelle in den “Weimarer Beiträgen”. Im selben Beitrag “Für und wider” sprach schon Brigitte Böttcher vom Hein´schen Text nur als “Modell”28 und Bernd Leistner vom “Kunst-Stück”29 . Letzterer ist es auch, der Heins Versuch, in den Schlußzeilen auch dem wankelmütigsten Leser die Identifikation mit der Protagonistin unmöglich zu machen, als nicht unbedingt notwendig erachtet:

So ist aber dieses Sprechen selbst ein ‘falsches’. Und der Autor weiß mit der Maske diese Sprechens denn auch so umzugehen, daß seine Schutz- und Täuschungsfunktion (in bezug auf die sich mitteilende Figur) kenntlich wird. Vielleicht läßt er diese Funktion mitunter allzuoft hervortreten, so etwa in den platt geratenen zwanzig Schlußzeilen der Novelle.30

Es kann also trotz des neuen Kommunikationsmodells des Autors nicht von einem unbeweglichen, auf “Lebenshilfeliteratur eingeschworenen” Lesepublikum die Rede sein. Dieter Schlenstedt faßt das Neue im Begriff des “sozialistischen kritischen Realismus” zusammen.

Kritischer Realismus - darunter verstehe ich Verfahren künstlerischer Darstellung, die ihre Werte nicht positiv ausstellt, sondern zu bedenken gibt, indem sie Defizite vorstellt, Bilder, hinter denen das steckt, was gewünscht, erhofft wird, die die Phantasie mobilisieren, aber offen sind für konkretere Erfüllungen an positiven Gehalt.31

Nun rechtfertigt Claudia ihr Lebenskonzept neben den deformierten Beziehungen um sie herum auch mit dem Hinweis auf die Zivilisation als Verdrängungsmechanismus. Doch:

Den Prozeß der Identitätszerstörung durch Sozialisation haben andere Schriftsteller prägnanter und schärfer beschrieben. Neu bei Hein ist die Verschränkung von tradierten bürgerlichen Sozialisationsstrategien mit realsozialistischer Deformation.32

Hannes Krauss´ Feststellung ist auch für den DDR-Rezipienten zuzustimmen. Nur das Neue wäre dann besser andersherum zu bezeichnen: neu ist die “Verschränkung realsozialistischer Deformation” mit “bürgerlichen Sozialisationsstrategien.”

6-22 Gänzlich erklärt ist das Neue mit Blick auf Loests Wülff nicht. Genauer: während in den bisherigen Werken die Protagonisten sich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen oder schon zurückgezogen haben, zieht sich Heins Protagonistin auch innerhalb des Privatlebens zurück. Sie hat durch ihren Vater nicht nur gelernt, über Politik zu schweigen, sondern auch über ihre Gefühle, Wünsche und Hoffnungen. Für Claudia stellt das Privatleben kein Refugium mehr gegen die Erwartungen der öffentlichen Welt dar. Es gibt nichts, woraus sie Mut und Hoffnung schöpfen könnte, denn sie kann sich selbst nicht entfliehen. Ihr Freund Henry dient mit seiner perfekteren Kunst der Verdrängung lediglich als Vorbild bei der Aufrechterhaltung ihres Lebenskonzeptes, besonders wenn es gilt, Zweifel daran zu zerstreuen. Die anderen Menschen achten Claudia aufgrund ihres beruflichen Erfolges und Funktionierens. Die Protagonistin distanziert sich zwar vom Verhalten der anderen, besucht sie jedoch regelmäßig. Zum einen dienen sie ihr als permanente Rechtfertigungsstütze, zum anderen mag von der Abscheu über die uneingestandenen Deformationen der anderen ein besonderer, unentrinnbarer Reiz ausgehen.

6-23 In mehreren Gesprächen benennt Hein die Grundeinstellung als Voraussetzung seines Kommunikationsmodells.

“Ich bin nicht der Auffassung, ich könnte oder sollte Leute auffordern, in einer bestimmten Weise zu leben oder zu denken”33

”Ich … bin nicht klüger als der Leser und kann nur in Dialog mit ihm treten.”34

Einen Dialog mit Menschen, “die über die gleiche Vielzahl an Informationen verfügen”. Ohne diese Einstellung wären die Anspielungen und Assoziationen in Claudias Verhalten und ihren Reflexionen nicht denkbar. Der Leser ist gefordert. Dies läßt Julia Hell den Begriff der “demokratischen Autorenschaft” prägen. Sie glaubt, eine politische Dimension in Heins Schreiben auszumachen:

… namely the attempt to realize through the formal structure of his texts that which is lacking in the political system: the idea of participatory democracy. 35

Würde man bei dem Bild der demokratischen Autorenschaft bleiben, wäre es nur eine Autorenschaft im Rahmen einer sogenannten sozialistischen Demokratie: mitgestalten nur in vorgeschriebener Weise. Hein gibt durch zu viele künstlerische Mittel dem Leser zu verstehen, wie die Reflexionen seiner Protagonistin zu deuten sind. Die Diagnose des Leser-Psychoanalytikers36 ist vorgegeben. Folgt der Leser nicht mehr dem Modell der Mitautorenschaft, ist er lediglich Rezipient “auf dem Niveau der Lebenshilfeliteratur”. Diese Art der Rezeption des Werkes wäre, wie bereits erwähnt, ohne Belustigung und Spannung. Jedoch wird der Leser, ebenso wie vielleicht Claudia in ihrem Handeln gegenüber anderen, von der ‘Faszination der Abscheu’ über die emotionale Perversität und Ödnis getrieben, die Novelle bis zum Ende zu lesen. Die Intention des Autors ist schwerlich zu unterlaufen.

Der abwesende Autor soll den Leser dazu aktivieren, Mitautor zu werden… Mit anderen Worten, das wirkliche Subjekt bzw. potentielle Subjekt des Textes ist der Leser. […] er soll durch ihren (Claudias d. A.) Text auf den ängstlich verdeckten / aufgedeckten Subtext schauen…37

Wenn ein “Subjekt” als Mitautor etwas machen “soll” (!), erhält nicht nur die “demokratische Autorenschaft”, sondern auch der Begriff “Subjekt” neuerlichen Erklärungsbedarf. Wichtiger in diesem Zusammenhang ist jedoch die Tatsache, daß “Identität zur wirkungsästhetischen Intention wird, die auf den Rezipienten bezogen wird”38. Diese Intention ist auf keinem Fall mit einer Protagonistin als Identifikationsfigur zu realisieren. Der Ich-Erzähler mit seiner vermittelten Authentizität bietet aber geradezu ein verlockendes Angebot zur Identifikation. Wie gelingt es dem Autor dennoch, eine größtmögliche Distanzierung des Lesers von seiner Protagonistin zu garantieren?

6-24 Der Novelle ist wie ein Motto in Kursivschrift ein Traum, “ein fernes Erinnern” vorangestellt39. Ein Ich-Erzähler sieht sich unter Lebensgefahr gezwungen, eine Brücke zu überqueren. Der Begleiter, dessen Gesichtszüge verschwommen bleiben, krallt sich im Arm des Erzählers fest. Es bleibt unklar, ob die Passage der beiden, ob einzeln oder zusammen, gelingt. Der Erzähler muß vom Leser als weiblicher vorausgesetzt werden, da er sich “die Schuhe abstreift” und sich nach den ersten Sätzen der Handlung definitiv als solcher zu verstehen gibt. Der Traum kann Claudia später auch aus anderen Gründen zugeordnet werden: zweimal tauchen die Kulissen in ihrer Erzählung wieder auf. Zuerst beim Ausflug zur Mühle am Fluß. Die prägnantere ebenfalls in einem Traumzustand. Unter Narkose, während der Abtreibung eines Kindes von ihrem Ex-Mann, sieht sie sich “im Gras verkriechen”. “Dann sind da Wälder, ein kühler verhangener Himmel, der Weg, der zu einer Brücke führt, brüchigen Resten. … Nein, die auf das Bett, den Stuhl Hingestreckte war nicht ich, bin nicht ich.” (107) Der Traum des Prologes startet geradezu mit dem Herausstellen der Nichtidentität des Erzählers. “Ich oder die Person, die vielleicht ich selbst bin, zögert. Ich - behaupten wir es …” (5). Man mag die folgenden Motive wie die fünf entschlossenen Läufer mit “runenartigen Zeichen” vielseitig interpretieren können, die wichtigste Information ist die der Schwierigkeit des Erzählers beim Artikulieren von Identität und die Unmöglichkeit des Identifizierens mit ihm durch den Leser. Der Traum hat, im Gegensatz zum Beispiel zu Josefas geträumter Frauentagsansprache, einen strengen strukturellen Bezug zum folgenden Text. “The story that follows is an enactment of the dream scene.”40 Tatsächlich sind die möglichen Parallelen zum Text glaubwürdig deutbar. Dies würde jedoch nicht die Existenz des kursiven Textes als Prolog erklären. Für Peters ist das Ende der Traumsequenz deutlicher Hinweis darauf, daß diesem Prolog als Allegorie eine genaue Funktion im Text zukommt.

Indem Claudia das Geschilderte von den “alltäglichen Abziehbildern” abgrenzt, weist sie ihm eine weitere ästhetische Qualität zu. Wahrheit liegt nicht in der Abschilderung realer Verhältnisse, sondern in der Bildallegorie verborgen, die das Eigentliche, nämlich “Schrecken” und “ausgestandene Hilflosigkeit” festhält. Dem Leser wird damit gleich zu Beginn eine Rezeptionsperspektive vorgegeben, die die ‘realen’ Oberflächenstrukturen fragwürdig macht und als bloßen Ausdruck anderer tiefgreifender Sachverhalte kennzeichnet. 41

6-25 Trotz dieser Einleitung und des von Beginn an durchgehaltenen kühlen Tons ist eine mögliche Identifikation des Lesers mit Claudia zu Beginn nicht vollends ausgeschlossen. Es sind die Alltagserfahrungen der Protagonistin, die beim Leser auf Widerhall und Bestätigung stoßen könnten. Kleine Details wie das Wählen eines dem Wetter und Anlaß gemäßen Kleidungsstückes, ihr “gekränkter Geruchssinn” (vgl. 9) im Fahrstuhl und ihr sehnsüchtiger Blick auf die Briefkästen können dies bewirken. Doch das die gesamte Novelle durchziehende Motiv der Langeweile und Gleichgültigkeit evoziert eine immer stärker werdende Distanz des Lesers zur Protagonistin. Claudia langweilt sich bei den Eltern und Bekannten oder ist meistens müde nach der Arbeit. ‘Langweilen’, ‘gleichgültig’ und ‘müde’ sind die leitmotivischen Attribute zu Henry, zu allen Jugendlichen im Text und zu Claudias Verhältnis zu anderen Menschen. Während sich Henry im wahrsten Sinne ‘zu Tode langweilt’, ist Claudias Gleichgültigkeit Teil ihres Lebenskonzeptes, das Gefühle der Bedrohung und Verletzlichkeit verleugnet.

6-26 Ein weiteres Mittel, die den Leser zur kritischen Distanz und interpretierendem Nachvollzug von Claudias Äußerungen bewegen, ist die ausgestellte Widersprüchlichkeit der Protagonistin. Sie ist hier im Gegensatz zu Simrocks Widersprüchlichkeit ein vom Autor mit Bedacht gebrauchtes künstlerisches Mittel. Ein Widerspruch besteht zum einen zwischen ihren Worten und Handeln, zum anderen zwischen ihren einzelnen Äußerungen. Nachdem Claudia widerwillig an Henrys Beerdigung teilgenommen hatte, versucht sie, sich an Henry zu erinnern. “Ich wollte an Henry denken… Dann gab ich es auf.” (23) Doch im nächsten Kapitel erzählt sie von ihm und ihrem Kennenlernen. Weiterhin erzählt sie, daß sie “an irgendwelchen Abgründen und Schicksalen von Menschen nicht interessiert” (114) ist. Bernd Leistner machte sich jedoch die Mühe des Zählens:

Im speziellen ‘sammelt’ sie (hierbei allerdings, ohne sich dies als Leidenschaft einzugestehen) Ehegeschichten, diverse abstoßende Alltagspraktiken eines gewohnheitsmäßigen Zusammenlebens zwischen Mann und Frau… Neun Ehen vergegenwärtigt sie sich während ihres Monologes; und das Motiv der disparaten Ehe durchzieht auf diese Weise die Novelle als eine Art Zentralmotiv. 42

So bleiben ihr z. B. die “Abgründe” von Fred und Maria auch nach Henrys Tod erhalten. “Im Sommer fuhr ich wie in jedem Jahr an die See. Ich besuchte auch wieder Fred und Maria, und alles war so, wie es in den Jahren davor gewesen war.” (211) Widersprüchlich zeigt sich die Protagonistin auch in Ausübung ihres Berufes. Ihre Profession ist das Helfen, doch geht sie bei den Problemen anderer von unlösbaren aus. “Ich habe eigene, die auch nicht zu lösen sind.” (198) Ihr Arztberuf ist ihr bei dieser Verdrängungsarbeit von Nutzen. In dem sie anderer Leute Krankheiten behandelt, vermeidet sie jegliche Beschäftigung mit sich selbst. Dies wird vom Autor zu einem Höhepunkt getrieben. Claudia wird zu einer Frau mit Herzbeschwerden gerufen, kann ihr aber lediglich eine Beruhigungsspritze geben. “Ich sagte, daß diese Fälle in der Mehrzahl keine organischen Ursachen haben, sondern in gestörten Beziehungen zur Umwelt wurzeln.” (120) Dem Mann gegenüber kommt sie zur einer Einsicht, zu der sie ‘in ihrem Fall’ nie kommen wird: “Ihre Frau kann nur aus eigener Kraft gesund werden.” Ansonsten konzentriert Claudia weiterhin ihr berufliches Können auf äußere Wunden der Patienten, auf die Bekämpfung der Symptome.

6-27 Der wohl augenfälligste Widerspruch ist das Eingeständnis des Scheiterns ihres Lebenskonzeptes, sich, nach dem Motto ‘Wer nicht liebt, leidet auch nicht’, aller Gefühle zu entsagen.

Ich habe in Drachenblut gebadet, und kein Lindenblatt ließ mich irgendwo schutzlos. Aus dieser Haut komme ich nicht mehr heraus. In meiner unverletzbaren Hülle werde ich krepieren an Sehnsucht nach Katharina. (209)

Claudia beherzigt diese Einsicht jedoch nicht in ihrem weiteren Handeln. So entsteht der Eindruck eines ‘safeguards’ des Autors, der seinem Kommunikationsmodell nicht mehr traut und nur so die Distanzierung des Leser von Claudia garantiert sieht. Andererseits gelingt es dem Autor, einen wesentlichen Grund zu benennen für die Unfähigkeit Claudias, zu einer Identität zu finden. Nämlich daß derjenige die Gegenwart nur begreift, der einen Bezug zur Vergangenheit herstellt. “Wie das Individuum sich zu seiner Geschichte stellt, wird zum entscheidenden Aspekt seiner Identität erhoben. Subjekt der Geschichte zu sein, bedeutet […], an ihr bewußt teilzunehmen.”43 Doch was heißt, “bewußt an der Geschichte teilnehmen?” Nicht den geringsten Verdacht einer Worthülse setzt sich Brigitte Böttchers 1983 gezogene Konsequenz aus: “Tod oder ‘in Gesellschaft leben’, kommunikativ, verantwortlich.”44

6-28 So glaubt J. H. Reid in Christoph Hein den Moralisten zu erkennen.

… this assumption that reality can be understood places Hein in the Enlightment tradition which many of his West German colleagues have abandoned. In spite of his denials, Hein ist essentially a moralist. The insistence that his readers make moral choices is a fundamental aspect of the dialogue.45

Herzinger und Preußler gehen bis zur Formulierung eines Vorwurfs weiter. “Indem sich die Individuen von ihrer persönlichen Panzerung befreien, handeln sie politisch”46 , denn Heins Lösungsanspruch ist durch die Verbindung des Verhärtungsprozesses der Individuen mit gesellschaftlich-politischer Repression gesellschaftlicher Natur.

Lebenseigentlichkeit aber wird nicht allein durch die politische Zwangsverhältnisse verhindert, sondern auch durch Konsumorientierung […] Die Gemeinschaft der Intelligenz, die der Kulturschaffenden selbst, wird bedroht durch universelle Verflachung.47

Nach Meinung von Herzinger/Preußler begründen eine Reihe von DDR-Autoren das Scheitern des Sozialismus mit dem ungenügenden Bruch mit der westlichen Zivilisation. Sie behaupten,

daß die literarische Zivilisationskritik einen Legitimationsdiskurs absichert, der den sozialistischen Utopiekern vor seiner Beschädigung durch den Bankrott des Realsozialismus zu retten versucht und zudem eine Rechtfertigungsargumentation für das Fortbestehen des sozialistischen Staates bereitstellt, die dessen offizielle Ideologie nicht mehr zu leisten vermag.48

In der Mehrzahl beziehen sich die Argumente auf Äußerungen des Essayisten und Politikers Christoph Hein. Doch spricht eine umstrittene, diskutierte Autorenposition nicht gegen das Überleben seines künstlerischen Werks.

Wir haben Behagen oder Unbehagen an einem Kunstwerk, uns gefällt, mißfällt es auch wegen einer Tendenz, die da noch mitschwingt, einer anarchistischen oder asozialen oder sozialen. Das ist die moralisch-pädagogische Seite, die jedes Werk auch hat, unwillentlich oder widerwillig, diese Aufgabe muß es erfüllen, durch und für die Gesellschaft. 49

6-29 In Anlehnung an Walter Benjamin sah sich Christoph Hein in Gesprächen in erster Linie als Chronist, so daß der Aufbau-Verlag seine Sekundärliteratur-Anthologie unter dem Titel Chronist ohne Botschaft herausgab. Sich Hein als Autor ohne jede Botschaft zu denken, ist nahezu unmöglich. Die Anregung zum Nachdenken ist zwar keine explizit ausgesprochene, vorgegebene, aber doch eine Botschaft! Wie kann jedoch ein Autor, der mit seiner Protagonistin mehr ein Konstrukt schuf als denn eine authentische, lebendige Figur, noch ein Chronist sein? Diese Frage läßt sich befriedigend nur mit dem Hinweis auf David Roberts´ aufgestellten Lesemodell erklären: Chronist kann er nur sein, wenn er Claudia beschreiben, erzählen läßt über Ereignisse, Umgebung und Befindlichkeiten der anderen. Kurz: “Chroniken” über “Land und Leute” erhält der Leser nur im “funktionalen Lesemodell” mit Claudia als Beobachter.

1 Christoph Hein: Der fremde Freund, Berlin u. Weimar 1987 (Aufbau-Verlag), alle Zitate folgen dieser Ausgabe
2 Hörnigk, Frank: Christoph Hein. In: Literatur der Deutschen Demokratischen Republik. Einzeldarstellungen. Hrgeg. von einem Autorenkollektiv unter Leitung von H. J. Geerdts, Band 3, Berlin-Ost 1987, S. 111
3 Grunenberg, Antonia: Geschichte und Entfremdung. Christoph Hein als Autor der DDR. In: Klaus Hammer (Hrg.): Chronist ohne Botschaft - Christoph Hein. Ein Arbeitsbuch. Berlin, Weimar 1992, S. 77
4 »Schreiben als Aufbegehren gegen die Sterblichkeit«, Gespräch Heins mit Uwe Hornauer und Norbert Janowski. In: Lothar Baier (Hrg.): Christoph Hein, Texte, Daten, Bilder, Frankfurt a.M. 1990, S. 76
5 H. Reid: “That she cannot bring herself to spell out the name of the town in full, although all other places, Berlin Magdeburg, Wörlitz are named, suggests that what occurred here remains undigested.” Aus: Reading Christoph Hein. In: Socialism and the Literary Imagination, New York, Oxford 1991, S. 221
6 Niven, William J.: The vanquished self: Christoph Hein´s Drachenblut and Der Tangospieler. In: Journal of European Studies, Vol. 22, Part 2, Number 86, March 1992, S. 130
7 Grunenberg, Antonia: Geschichte und Entfremdung. Christoph Hein als Autor der DDR. In: Klaus Hammer (Hrg.): Chronist ohne Botschaft - Christoph Hein. Ein Arbeitsbuch. Berlin, Weimar 1992, S. 73f
8 Peters, Peter: “Ich Wer ist das”. Aspekte der Subjektdiskussion in Prosa und Drama der DDR (1976-1989), Frankfurt/M. 1993, S. 80
9 Antonia Grunenberg: s. Fußn. 120, S. 73
10 Peter Peters: s. Fußn. 121, S. 78
11 Hell, Julia: Christoph Hein´s Der Fremde Freund/Drachenblut and the Antinomies of Writing under <Real Existing Socialism>. In: Colloquia Germanica, Band 25, H. 3/4, 1992, S. 326
12 ebd.
13 Kaufmann, Hans: Christoph Hein in der Debatte. In: ders.: Über DDR-Literatur, Beiträge aus 25 Jahren. Berlin, Weimar 1986, S. 235
14 ebd.
15 Niven, William J.: The vanquished self: Christoph Hein´s Drachenblut and Der Tangospieler. In: Journal of European Studies, Vol. 22, Part 2, Number 86, March 1992, S. 131
16 Roberts, David: Das Auge der Kamera. Christoph Heins Drachenblut. In: Paul Michael Lutzeler (Hrg): Spätmoderne und Postmoderne: Beiträge zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, Frankfurt/M. 1991, S. 227
17 ebd.
18 Emmerich, Wolfgang: »Dialektik der Aufklärung« in der jüngeren DDR-Literatur. In: Positionen 5, Halle, Leipzig 1988, S. 132
19 David Roberts: s. Fußn. 130
20 Bernhardt, Rüdiger: Für und wider, in: Lothar Baier, Hrg.: Christoph Hein, Texte, Daten, Bilder, Frankfurt a.M. 1990, S. 141; W. Hartinger glaubt gar, daß der Leser die distanzierte Rezeption erst üben muß: “… um ästhetische Signale wahrnehmen zu können, bedarf es der Schulung des Leser, nicht zuletzt durch den entschiedenen Einsatz der Literaturwissenschaftler.” In: DDR-Literaturentwicklung in der Diskussion, H. Haase, W. Hartinger, U. Heukenkamp, K. Jarmatz, J. Pischel, D. Schlenstedt. In: Weimarer Beiträge, 30. Jg., H. 10/1984, S. 1609
21 ebd. S. 140f
22 Hörnigk, Frank: Christoph Hein. In: “Literatur der Deutschen Demokratischen Republik. Einzeldarstellungen” Hrgeg. von einem Autorenkollektiv unter Leitung von H. J. Geerdts, Band 3, Berlin-Ost 1987, S. 113
23 ebd.
24 Rüdiger Bernhardt: s. Fußn. 135, S. 142
25 Grunenberg, Antonia: Geschichte und Entfremdung. Christoph Hein als Autor der DDR, in: Hammer, Klaus (Hrg.): Chronist ohne Botschaft - Christoph Hein. Ein Arbeitsbuch. Berlin, Weimar 1992, S. 79
26 Niven, William J.: The vanquished self: Christoph Hein´s Drachenblut and Der Tangospieler. In: Journal of European Studies, Vol. 22, Part 2, Number 86, March 1992, S. 133
27 Vgl. Brecht, Bertolt: Vergnügungstheater oder Lehrtheater? In: Brecht. Ein Lesebuch für unsere Zeit, Berlin, Weimar 1987, S. 384
28 Böttcher, Brigitte: Diagnose eines unheilbaren Zustandes. Christoph Hein: »Der fremde Freund«. In: Klaus Hammer (Hrg.): Chronist ohne Botschaft - Christoph Hein. Ein Arbeitsbuch. Berlin, Weimar 1992, S. 84f
29 Leistner, Bernd: Für und wider: Der fremde Freund. In: Klaus Hammer (Hrg.): Chronist ohne Botschaft - Christoph Hein. Ein Arbeitsbuch. Berlin, Weimar 1992, S. 91
30 ebd. S. 90
31 DDR-Literaturentwicklung in der Diskussion, H. Haase, W. Hartinger, U. Heukenkamp, K. Jarmatz, J. Pischel, D. Schlenstedt. In: Weimarer Beiträge, 30. Jg., H. 10/1984, S. 1605
32 Krauss, Hannes: Mit geliehenen Worten das Schweigen brechen. In: Frauke Meyer-Gosau (Red.): Christoph Hein, Text + Kritik H. 111, München 1991, S. 21
33 Gespräch mit Christoph Hein. In: Öffentlich arbeiten. Essais und Gespräche. Berlin, Weimar 1988, S. 123
34 Brender, H./ Hüfner, A: »Ich kann mein Publikum nicht belehren«, Gespräch mit Christoph Hein. In: Lothar Baier, Hrg.: Christoph Hein, Texte, Daten, Bilder, Frankfurt a.M. 1990, S. 71
35 Hell, Julia: Christoph Hein´s Der Fremde Freund/Drachenblut and the Antinomies of Writing under <Real Existing Socialism>. In: Colloquia Germanica, Band 25, H. 3/4, 1992, S. 311
36 vgl. Roberts, David: Das Auge der Kamera. Christoph Heins Drachenblut. In: Paul Michael Lutzeler (Hrg): Spätmoderne und Postmoderne: Beiträge zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, Frankfurt/M. 1991, S. 228
37 Roberts, David: Das Auge der Kamera. Christoph Heins Drachenblut. In: Paul Michael Lutzeler (Hrg): Spätmoderne und Postmoderne: Beiträge zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, Frankfurt/M. 1991, S. 226 (Dieser Beitrag stand nur in deutscher Übersetzung zur Verfügung, so daß das Wort “soll” eventuell nicht dem Autor selbst “angelastet” werden kann.)
38 Peters, Peter: Ich Wer ist das. Aspekte der Subjektdiskussion in Prosa und Drama der DDR (1976-1989), Frankfurt/M. 1993, S. 108
39 Die Wirkung von Träumen auf den Leser wurde schon im Zusammenhang mit Marons Josefa erwähnt (S. 54).
40 Shaw, Gisela: Christoph Hein: The Novelist as Dramatist Manqué. In: Arthur Williams, Stuart Parkes, Roland Smith (Hrg.): Literature on the Threshold: The German Novel in the 1980s, New York 1990, S. 94
41 Peter Peters: s. Fußn. 153, S. 77
42 Leistner, Bernd: Für und wider: Der fremde Freund. In: Klaus Hammer (Hrg.): Chronist ohne Botschaft - Christoph Hein. Ein Arbeitsbuch. Berlin, Weimar 1992, S. 88, S. 89
43 Peters, Peter: Ich Wer ist das. Aspekte der Subjektdiskussion in Prosa und Drama der DDR (1976-1989), Frankfurt/M. 1993, S. 107
44 Böttcher, Brigitte: Diagnose eines unheilbaren Zustandes. Christoph Hein: »Der fremde Freund«. In: Klaus Hammer (Hrg.): Chronist ohne Botschaft - Christoph Hein. Ein Arbeitsbuch. Berlin, Weimar 1992, S. 87
45 Reid, J.H.: Reading Christoph Hein. In: Socialism and the Literary Imagination, New York, Oxford 1991, S. 226, Reid verweist auf das Gespräch Heins mit Krystof Jachimczak. In: Sinn und Form, 1988, H. 2, S. 342
46 Herzinger, R./Preußler, H-P.: Vom Äußersten zum Ersten. DDR-Literatur in der Tradition deutscher Zivilisations-kritik. In: Literatur in der DDR, Rückblicke, Sonderband Text + Kritik, Hrg. Heinz Ludwig Arnold und Frauke Meyer-Gosau, München 1991, S. 204
47 ebd.
48 ebd. S. 195, vgl. auch Emmerichs Vorwürfe (S. 5)
49 Brender, H./ Hüfner, A: »Ich kann mein Publikum nicht belehren«, Gespräch mit Christoph Hein. In: Lothar Baier (Hrg.): Christoph Hein, Texte, Daten, Bilder, Frankfurt a.M. 1990, S. 71